Sabio Tarot · Grundlagen und Lernen
Sieben häufige Fehler beim Tarotlernen und wie du sie behebst
Schon bei einer Legung mit drei Karten können sieben unterschiedliche Probleme entstehen, bevor du überhaupt eine „Vorhersage“ aussprichst. Nehmen wir eine erfundene Frage: „Wie bereite ich ein Gespräch über eine Änderung meiner Arbeitszeiten vor?“ Die Positionen heißen vorab „was ich weiß“, „wonach ich noch fragen muss“ und „erster Schritt“. Es erscheinen Der Wagen, die Zwei der Kelche und Gerechtigkeit. Deck und Ausgabe sind notiert.
Die Übung schreibt diesen Karten keine zwingenden Bedeutungen vor. Sie zeigt, an welchen Stellen der Gedankengang bricht und wie du ihn reparierst. Eine gute Korrektur führt dich zur Frage, zu den tatsächlich vorhandenen Bildern und zu überprüfbaren Informationen zurück.
1. Die Frage nach dem Aufdecken ändern
Beim Anblick der Gerechtigkeit entscheidet jemand, eigentlich habe die Frage „Wird man mich fair behandeln?“ gelautet. Nun liest er nicht mehr die ursprüngliche Frage nach der Vorbereitung. Er verschiebt das Ziel, damit die Karte passt. Schreibe die Frage deshalb vor dem Mischen genau auf und lass sie stehen. Taucht ein neuer Gedanke auf, beginne später einen weiteren Eintrag oder notiere ihn zusätzlich, ohne den ersten Rahmen zu löschen.
In unserem Fall könnte Gerechtigkeit zu der Frage „Welches Kriterium für die Arbeitszeitverteilung möchte ich vorschlagen?“ führen. Das hilft beim Vorbereiten des Gesprächs. Es beweist nicht, was ein anderer Mensch entscheiden wird.
2. Positionen erst nach dem Ziehen festlegen
Gefällt dir Der Wagen, gibst du ihm die Position „Ergebnis“. Gefällt dir die Zwei der Kelche nicht, nennst du ihren Platz rückwirkend „Vergangenheit“. So lässt sich die Legung nicht mehr prüfen. Lege vor dem Ziehen Aufgaben fest, die auch bei unbequemen Bildern sinnvoll bleiben. „Was ich weiß“, „wonach ich noch fragen muss“ und „erster Schritt“ binden jede Karte an eine Aufgabe.
Funktioniert eine Position schlecht, halte das fest und entwirf bei anderer Gelegenheit ein besseres Schema. Du musst eine Karte nicht zu einer Antwort zwingen, nach der du gar nicht gefragt hast.
3. Eine Szene deuten, die dein Deck nicht zeigt
Ein Rider-Waite-Smith-Handbuch beschreibt die Geste einer Person auf einer Zahlenkarte. Dein Marseille-Tarot zeigt dort nur Farbsymbole. Übernimmst du die Szene, als hättest du sie vor Augen, vermischst du eigene Beobachtung und fremde Beschreibung. Das V&A dokumentiert Pamela Colman Smiths Rolle bei den illustrierten Kleinen Arkana; nicht jede Ausgabe verwendet dieselbe Bildsprache.
Notiere deshalb den Decktyp und beschreibe deine wirkliche Karte. Du kannst die andere Szene vergleichend studieren, musst aber ihre Herkunft kennzeichnen. Zeigt deine Zwei der Kelche in unserer Legung lediglich zwei Kelche, sprich nicht über die Haltung zweier Figuren.
4. Eine Kartenfigur mit einer bestimmten Person gleichsetzen
„Gerechtigkeit ist meine Chefin, und ich weiß schon, was sie denkt.“ Je nach Methode kann die Karte zur Prüfung von Kriterien, Regeln oder Folgen anregen. Sie gewährt aber keinen Zugang zu fremden Gedanken. Eine Hofkarte, eine große Arkankarte oder eine Szene identifiziert ohne Kontext keine Person und belegt ihre Absichten nicht.
Formuliere stattdessen eine überprüfbare Frage: „Welche Kriterien gelten bei uns für einen Schichtwechsel?“ Die Antwort findest du in Regeln und Gesprächen, nicht in einer psychologischen Zuschreibung an eine Karte.
5. Unverbundene Stichwörter sammeln
„Wagen = Fortschritt; Zwei der Kelche = Verbundenheit; Gerechtigkeit = Ausgleich.“ Keine der drei Definitionen beantwortet, wie du das Gespräch vorbereiten kannst. Verbinde für eine Zusammenfassung jede Karte mit ihrer Position. Der Wagen auf „was ich weiß“ könnte dich dazu bringen, Ziel und bisherige Einschränkungen aufzulisten. Die Zwei auf „wonach ich noch fragen muss“ könnte die Erwartungen beider Seiten aufgreifen. Gerechtigkeit auf „erster Schritt“ könnte ein klares, vergleichbares Kriterium für deinen Vorschlag nahelegen.
Eine mögliche Zusammenfassung ist: „Benenne die gewünschten Arbeitszeiten, frage nach dem Spielraum der anderen Seite und bringe einen Vorschlag mit nachvollziehbaren Kriterien mit.“ Ob der Satz gut ist, hängt an Frage und Positionen, nicht an einem feierlichen Klang.
6. Weitere Karten ziehen, bis du beruhigt bist
Beunruhigt dich die erste Legung und du legst ohne neue Frage weitere Karten dazu, kannst du am Ende die Karte auswählen, die bestätigt, was du hören wolltest. Schließe lieber die geplante Legung ab, halte Unsicherheiten fest und überlege, welche wirklichen Informationen fehlen. Eine weitere Karte hilft nur, wenn du vorher bestimmst, was sie klären soll, und eine unliebsame Antwort zulässt.
Bei den Arbeitszeiten fehlt vielleicht die betriebliche Regelung. Kein noch so großer Stapel Karten ersetzt die Nachfrage nach diesem Dokument. Der beste nächste Schritt kann außerhalb des Decks liegen.
7. Das Ergebnis erinnern, aber die ursprüngliche Vermutung vergessen
Wochen später erhältst du eine teilweise Änderung und sagst: „Gerechtigkeit hat das angekündigt.“ Was hattest du genau aufgeschrieben? Enthält das Tagebuch nur Kartennamen, lässt sich jedes Ergebnis passend machen. Bewahre Frage, Positionen, Beobachtungen, Vermutung und Grenze auf. Kehre später zum Eintrag zurück, ohne den früheren Text zu ändern.
Wird dein Vorschlag abgelehnt, ist das ebenfalls eine Information: Vielleicht trugen deine Kriterien nicht oder es fehlten Angaben zu den Schichten. Du musst daraus weder einen „Fehler der Karte“ noch einen nachträglich umgedeuteten Erfolg machen. Prüfe, ob dir die Legung zu besserer Vorbereitung verholfen hat.
Dieselbe Legung mit Methode lesen
Sieh dir die drei Karten erneut an, ohne weitere hinzuzufügen. Prüfe zuerst die Ausgabe und je drei Einzelheiten der Bilder. Behalte dann die vorab festgelegten Aufgaben bei. Schreibe anschließend einen Satz pro Karte, der ihre Position berücksichtigt. Verbinde diese Sätze zu einem Schritt, der in deiner Hand liegt. Benenne zum Schluss eine Information, die du außerhalb der Karten brauchst. Dieses Verfahren garantiert keine einzige richtige Schlussfolgerung; es macht deinen Weg dorthin nachvollziehbar und korrigierbar.
Klarer wird die Übung, wenn du Beschreibung und Assoziation unterscheidest. Passt eine Karte nicht, schreibe „Ich weiß es nicht“ und sieh im passenden Handbuch nach. Eine allumfassende Aussage zu erzwingen ist ein weiterer Fehler, auch wenn er oben keine eigene Nummer hat. Eine kurze Deutung, die Unsicherheit zulässt, kann nützlicher sein als zehn hastig ausgelegte Karten.
Für bessere Fragen lies wie du hilfreiche Tarotfragen stellst. Um aus jeder Legung zu lernen, nutze die Vorlage für ein Tarot-Tagebuch.
Einen Fehler beheben, ohne die ganze Legung zu wiederholen
Stellst du fest, dass dein Handbuch eine andere Deckausgabe beschrieben hat, brauchst du nicht sofort neu zu mischen. Behalte Frage und Positionen, betrachte deine wirklichen Karten erneut und schreibe nur den Teil der Deutung um, der vom falschen Bild abhing. Kennzeichne die Korrektur im Tagebuch. Lag der Fehler dagegen in der Frage selbst oder in erst nach dem Ziehen festgelegten Positionen, schließe diesen Versuch als Übung ab und entwirf später einen neuen. So trennst du ehrliches Korrigieren von der Suche nach einer bevorzugten Antwort.
Quellen und Geltungsbereich
- „A history of tarot cards“, Victoria and Albert Museum. Abgerufen am 26-09-2026 für die historischen Unterschiede zwischen Decks.
- Redaktionelle Methode von Sabio Tarot; Frage und Legung sind erfunden.