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Sabio Tarot · Decks und Systeme

Was die bebilderten Zahlenkarten im Rider-Waite-Smith-Tarot zeigen

Die Zehn der Stäbe im Rider-Waite-Smith-Tarot zeigt eine Person, die mehrere Stäbe trägt. Bevor du „Überlastung“ sagst, kannst du ihre Haltung, die Bewegungsrichtung und die körperliche Beziehung zwischen Mensch und Gegenständen benennen. Diese Folge – beobachten, deuten, mit der Frage abgleichen – ist der wichtigste Lernvorteil einer bebilderten Karte der kleinen Arkana.

Das V&A schreibt die Gestaltung Pamela Colman Smith zu und hebt ihren Spielraum bei den Bildern der kleinen Arkana hervor. Durch ihre Szenen konnten Lernende sichtbare Situationen betrachten, statt nur eine Liste von Stichwörtern nachzuschlagen. Daraus folgt nicht, dass die Zeichnung überprüfbare Auskunft über die Zukunft der fragenden Person gibt.

Die Szene ist keine automatische Antwort

Eine gehende Figur beweist nicht, dass jemand verreisen wird. Eine Person, die Kelche ansieht, verrät nicht, was ein Dritter denkt. Die Bilder bieten mögliche Beziehungen: Bewegung, Aufmerksamkeit, Abstand, Austausch oder Anstrengung. Bei der Deutung verbindest du diese Beziehungen mit einer klaren Frage und einer festgelegten Position in der Legung.

Stell dir vor, die Zehn der Stäbe erscheint bei einer Frage zur Arbeit in der Position „verfügbare Ressource“. Eine begründete Lesart kann die Fähigkeit, eine Aufgabe zu übernehmen, würdigen und zugleich nach deren Kosten fragen. In der Position „Hindernis“ lässt dasselbe Bild eine Häufung von Pflichten untersuchen. Der Unterschied steckt nicht in einem geheimen Schlüsselwort: Er entsteht durch die Position, die vor dem Aufdecken festgelegt wurde.

Fünf Beobachtungen sammeln

Probiere es mit einer dir unbekannten Karte. Schreibe fünf Zeilen:

  1. Wie viele Figuren sind zu sehen, und was tun sie?
  2. Welche Gegenstände lassen sich zählen?
  3. In welche Richtung gehen Blicke oder Bewegungen?
  4. Welcher Teil der Szene nimmt den meisten Raum ein?
  5. Welches Detail passt nicht zu deinem ersten Eindruck?

Die fünfte Zeile verhindert, dass du nur bestätigst, was du ohnehin erwartet hast. Wirkt ein Bild „traurig“, zeigt aber auch eine Handlungsmöglichkeit, verdienen beide Aspekte Beachtung. Sind auf der Karte keine Menschen zu sehen, erfinde keine. Das British Museum bewahrt eine Ausgabe von 1968 nach Waite und Colman Smith auf; beobachtet wird immer eine konkrete Ausgabe.

Eine Bildfolge ist keine allgemeingültige Treppe

Die Karten vom Ass bis zur Zehn einer Farbe nacheinander anzusehen kann helfen, Veränderungen in Umfang, Handlung oder Situation zu erkennen. Setze aber nicht voraus, dass die zehn Szenen eine einzige Geschichte in verbindlicher Reihenfolge erzählen. Die Bilder wurden für Karten entworfen, die auch einzeln, zusammen mit anderen Farben und in unterschiedlichen Positionen erscheinen können.

Nimm die Zwei, die Fünf und die Zehn einer Farbe. Beschreibe jedes Bild, als würdest du das nächste nicht kennen. Notiere dann eine Beziehung zwischen ihnen und eine Ausnahme, die eine einfache Formel widerlegt. „Mehr Stäbe = mehr positive Energie“ scheitert etwa, wenn eine Szene eine schwierige Last zeigt. Eine hilfreiche Folge muss einen Gegenbeleg aushalten.

Unterschied zu einer Zahlenkarte aus Marseille

In vielen Marseille-Decks zeigen wiederholte Farbsymbole und Ornamente den Wert. Hier lohnt es sich, die Anordnung der Formen, die Zahl und die Beziehung zu anderen Karten zu betrachten. Das Rider-Waite-Smith-Tarot ergänzt eine Szene, die konkrete Handlungen nahelegen kann. Das erleichtert den Einstieg, kann aber auch dazu verführen, mehr zu erzählen, als die Frage hergibt.

Nutze deshalb zwei Spalten in deinem Tagebuch: „sichtbares Detail“ und „Hypothese für diese Position“. Schreibst du „die Person wird eine Nachricht erhalten“, ohne passende Position, ohne äußere Fakten und ohne Möglichkeit von Gewissheit zu trennen, hast du mehrere Schritte übersprungen. Schreibst du „die Figur betrachtet eine Karte; bei meiner Frage zur Kommunikation prüfe ich, welche Information mir fehlt“, wird das Bild zum Anlass, genauer nachzudenken.

Eine moderne Ausgabe mit neu gedeuteten Szenen lesen

Nicht jedes moderne bebilderte Deck folgt Colman Smith genau. Manche Ausgaben behalten den Bildaufbau bei und ändern die Figuren; andere verändern Handlung, Umgebung oder Farbnamen. Vergleiche dein Deck mit seinem eigenen Begleitheft und nenne es nicht allein deshalb „Rider“, weil auf den kleinen Arkana Menschen erscheinen. Notiere, welche Ausgabe du benutzt, und suche ein Buch, das deren Entscheidungen berücksichtigt.

Lies weiter über Pamela Colman Smith und ihren Beitrag, das Erkennen deines Decks und die Frage, ob alle Decks mit 78 Karten gleich gelesen werden.

Von der Szene zu einem verantwortbaren Satz

Eine Deutung hat mindestens drei Stufen. Zuerst beschreibst du: „Zwei Figuren stehen getrennt durch einen Gegenstand“, falls dies wirklich zu sehen ist. Dann fragst du nach ihrer bildlichen Beziehung: Nähern sie sich, entfernen sie sich, sehen sie einander an, handeln sie gemeinsam? Erst danach verbindest du die Beziehung mit Position und Frage. Wer vom Bild direkt zu „diese Person betrügt dich“ springt, überspringt sowohl die Methode als auch äußere Belege.

Übe mit der Sechs der Schwerter deiner Ausgabe. In der Position „Übergang“ kann eine Szene des Fortbewegens eine Veränderung der Situation nahelegen. In „Ressource“ fällt vielleicht die Fähigkeit auf, einen Weg zu organisieren. Die Karte nennt für sich genommen weder eine künftige Reise noch die Menschen, die jemanden begleiten werden. Zwei Hypothesen und eine überprüfbare Frage zu formulieren ist hilfreicher, als ein Ereignis anzukündigen.

Auch dekorative Einzelheiten können ablenken. Schreibe nicht jeder Farbe und Linie eine tiefe Absicht zu, solange du weder die Ausgabe kennst noch weißt, ob eine Reproduktion ihre Farbpalette verändert hat. Das V&A katalogisiert Exemplare und Druckdaten; das British Museum zeigt eine Reproduktion von 1968. Wer Fotos von zwei Auflagen vergleicht, sieht womöglich Unterschiede im Druckverfahren statt in der Deutungslehre.

Der Gegenbeleg verbessert die Methode

Lautet eine gelernte Regel „jede nach links blickende Figur spricht von der Vergangenheit“, suche Karten, bei denen die Blickrichtung nicht zur Position oder Frage passt. Das Bild kann eine Richtung haben, aber seine zeitliche Übersetzung steht nicht auf der Karte. Diese Regel ist eine optionale Lesekonvention; du musst sie einheitlich anwenden und ihre Grenzen benennen.

Prüfe ebenso häufige Sätze wie „alle Zehnen bedeuten ein Ende“. Vergleiche vier Zehnen: Welche Bilder zeigen Anhäufung, Abschluss, Anstrengung oder Beziehungen zwischen Personen? Lässt sich ein Bild nicht sinnvoll mit demselben Wort beschreiben, formuliere die Regel als Vergleichshilfe statt als allgemeingültige Formel.

Der eigentliche Vorteil der bebilderten kleinen Arkana liegt nicht darin, jede Deutung zu ersparen. Sichtbare Einzelheiten helfen dir zu erklären, warum eine Lesart sinnvoll sein könnte. Wenn du eine Karte untersuchst, benenne deine Ausgabe, beschreibe das Bild und trenne historische Fakten von deinen Hypothesen zur konkreten Frage. Überspringst du diese Schritte, wird die Szene zur Dekoration rund um ein Schlüsselwort.

Verwendete Quellen