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Sabio Tarot · Decks und Systeme

Marseille oder Rider-Waite-Smith: So erkennst du dein Tarotdeck

Auf einer Schachtel kann „klassisches Tarot“ stehen, ohne dass sie die Bildsprache des Decks erklärt. Um diese zu erkennen, musst du nicht gleich alle 78 Karten durchsehen: Ziehe eine Zahlenkarte, Gerechtigkeit, Stärke und den Narren heraus. In wenigen Minuten hast du sichtbare Hinweise, um ein passendes Buch auszuwählen und Mischformen zu erkennen.

Diese Hinweise beschreiben Familien von Ausgaben und sind kein Echtheitstest. Die BnF zeigt mehrere als Marseille-Tarot bezeichnete Decks; das V&A erläutert die illustrierten Karten des Rider-Waite-Smith. Ein modernes Deck kann Merkmale beider Familien aufnehmen.

Erste Karte: Fünf der Kelche

Sieh nach, was im Mittelpunkt steht. Zeigt die Karte vor allem fünf Kelche und ornamentale Motive, entspricht sie der nicht szenischen Zahlenkarte, wie sie bei Marseille häufig ist. Siehst du eine Figur in einer Situation mit Gegenständen, einem Raum und möglicher Handlung, liegt der Ansatz näher am Rider-Waite-Smith. Dieser Test hilft mehr als die Farbe der Schachtel, weil er unmittelbar bestimmt, wie ein Handbuch die Kleinen Arkana erklärt.

Wiederhole die Probe mit Zwei der Schwerter oder Zehn der Stäbe. Manche modernen Decks illustrieren einzelne Zahlenkarten, andere nicht, oder zeigen dekorative Farbzeichen vor kleinen Hintergründen. Leite aus einer Ausnahme nicht das gesamte System ab. Notiere das vorherrschende Muster und die Karten, die davon abweichen.

Zweite und dritte Karte: Gerechtigkeit und Stärke

Suche die aufgedruckte Nummer auf beiden Karten. In der verbreiteten Marseille-Konvention ist Gerechtigkeit VIII und Stärke XI. Bei Rider-Waite-Smith ist Stärke VIII und Gerechtigkeit XI. Wechselt dein Deck diese Werte, folgt es vielleicht einer der beiden Nummerierungen, auch wenn seine übrigen Bilder Stile mischen.

Diese Kontrolle verhindert einen häufigen Fehler: „Arkanum VIII“ in einem Buch nachzuschlagen und über die falsche Karte zu lesen. Schreibe auf die erste Seite deiner Notizen „Gerechtigkeit = VIII“ oder „Gerechtigkeit = XI“, je nach Deck. So löst du die Frage vor jeder Legung.

Allein die Nummerierung ordnet noch nicht das ganze Deck ein. Ein zeitgenössischer Künstler kann wie Rider nummerieren und die Zahlenkarten nach Art von Marseille gestalten. Das macht sein Deck nicht ungültig. Es heißt, dass du die Eigenheiten dieser Ausgabe berücksichtigen musst.

Vierte Karte: Der Narr

Achte auf den Namen – Le Mat, Der Narr oder The Fool – und auf eine sichtbare Nummer. In der Rider-Konvention ist das häufig die Null. Sieh dir auch das Bild an. Ein übersetzter Titel beweist für sich keine Zugehörigkeit: „The Fool“ kann auch auf einer englischen Ausgabe eines Marseille-verwandten Entwurfs stehen. Zusammen mit Nummerierung und Zahlenkarten ergibt sich ein verlässlicherer Hinweis.

Das British Museum katalogisiert die Reproduktion eines Entwurfs von Nicolas Conver aus dem Jahr 1760. Der Eintrag zeigt, warum Entwurf und Exemplar getrennt bestimmt werden müssen: Das erhaltene Deck ist eine spätere Reproduktion, und sogar die Schachtel stammt von einem anderen Satz. Werbewörter können nützlich sein; die Karten und Ausgabedaten sind jedoch aussagekräftiger.

Ein kurzes Blatt zur Bestimmung

Karte Was du notierst Warum es wichtig ist
Fünf der Kelche Dekorative Farbzeichen oder Szene mit Personen? Zeigt, wie die Zahlenkarten erklärt werden
Gerechtigkeit Nummer und Name Verhindert die Verwechslung der Kapitel VIII/XI
Stärke Nummer und Name Bestätigt die Vertauschung
Narr Nummer, Titel und sichtbare Einzelheiten Ordnet die Konvention der Ausgabe ein

Ergänze Verlag, Erscheinungsjahr, Name der zeichnenden Person und Hinweise auf eine Restaurierung. Steht dies nicht auf der Schachtel, suche im Begleitheft oder im Eintrag des Verlags. Leite das Herstellungsjahr deines Exemplars nicht einfach aus dem Alter des nachgebildeten Entwurfs ab.

Was tun bei einem gemischten Deck?

Wähle ein Buch, das zu den konkreten Bildern passt, nicht wegen eines Versprechens „universeller Bedeutungen“. Du kannst mit einem Rider-Handbuch Szenen üben und mit einem Marseille-Buch Zahl und Farbe betrachten. Halte dabei fest, welches Buch welche Idee liefert. Ändert eine moderne Karte Szene oder Titel deutlich, gehört ihr eigenes Begleitheft in den Vergleich.

Ein fairer Test ist, drei Karten zunächst ohne Handbuch zu beschreiben und danach zu prüfen, ob die Erklärung im Buch tatsächlich aufgedruckte Einzelheiten nennt. Spricht sie bei zwei der drei Karten über Figuren, die auf deinen Karten fehlen, eignet sich das Buch nicht als Bildführer für diese Ausgabe.

Lies weiter bei Marseille im Vergleich zu Rider-Waite-Smith und Was du bei einem Buch zu einem anderen Deck prüfen solltest. Der Ratgeber zu Tarotarten bietet einen allgemeinen Einstieg.

Ein Test mit bisher ungesehenen Karten

Die ersten vier Karten ermöglichen eine vorläufige Einordnung. Ein Deck kann diese Merkmale aber übernehmen und sonst deutlich davon abweichen. Ziehe nach der ersten Einschätzung zufällig drei weitere Zahlenkarten und eine Hofkarte. Prüfe, ob sie das erwartete Muster fortsetzen. Hat die Fünf der Kelche eine Szene und zeigen die anderen Zahlenkarten nur Symbole, könnte es sich um ein gemischtes Deck handeln. Folgen Gerechtigkeit und Stärke einer Konvention, der Narr und die Farben aber einer anderen, notiere dies, ohne dem Deck eine eindeutige Bezeichnung aufzuzwingen.

Dieser zweite Schritt dient als unabhängige kleine Gegenprobe. Er soll keine Verlagsabstammung beweisen, sondern dir bei der Buchwahl helfen. Eine zeitgenössische Künstlerin kann szenische Zahlenkarten mit französischen Titeln verbinden oder Waites Nummerierung auf Marseille-inspirierte Bilder übertragen. „Mischform“ beschreibt die sichtbare Verbindung; es ist keine Abwertung.

Angaben zur Ausgabe lesen

Schachtel und Begleitheft können erklären, wer die Karten zeichnete, welche Vorlage reproduziert wurde, ob etwas restauriert und welche Namen geändert wurden. Steht dort „nach Nicolas Conver“, prüfe, ob damit ein Faksimile, eine Neuzeichnung oder eine neue Farbpalette gemeint ist. Der Eintrag des British Museum zu einer Conver-Reproduktion zeigt, dass sogar eine zusammen mit dem Deck aufbewahrte Schachtel nicht zum ursprünglichen Satz gehören muss. Vergleiche deshalb die Angaben des Herausgebers mit den Karten selbst.

Das Datum einer Vorlage ist nicht das Alter deines Decks. Ein dieses Jahr erschienenes Deck kann einen alten Entwurf wiedergeben; eine gebrauchte Schachtel kann eine spätere Auflage enthalten. Zum Lesenlernen musst du vor allem wissen, welche Bilder du beschreibst. Für eine historische Besprechung solltest du zusätzlich das Alter des Exemplars und seine Vorlage dokumentieren.

Wenn Angaben des Verlags fehlen

Erfinde keine Herkunft. Beschreibe das Deck anhand deiner Beobachtungen, etwa als „Zahlenkarten mit Szenen, Gerechtigkeit XI“ oder „Zahlenkarten mit Farbzeichen, Gerechtigkeit VIII“. Damit kann jemand ein passendes Buch auswählen, ohne dass du eine unbelegte Abstammung behauptest. Findest du später Unterlagen zur Ausgabe, ergänze sie mit Quellenangabe.

Eine ehrliche Beschreibung hilft auch beim Tarot-Tagebuch. Du kannst etwa notieren: „Deck A, Ausgabe unbekannt; Handbuch B nur für die Legungsstruktur verwendet“, und deine persönlichen Assoziationen davon trennen. Wechselst du später das Deck, weißt du noch, ob eine Deutung aus dem konkreten Kartenbild, einem Buch oder deiner eigenen Gewohnheit stammte.

Prüfe dies vor einer Legung, die für dich wichtig ist, nicht erst nachdem dich eine Karte verwirrt hat. Die Wahl einer Lernmethode lässt sich in Ruhe treffen. Die Frage und die Positionen der Legung sollten hingegen feststehen, bevor du die Karten siehst, damit du ihre Deutung nicht nachträglich passend machst.

Konsultierte Quellen