Sabio Tarot · Decks und Systeme
Passt dein Tarotbuch zu einem modernen Deck? So prüfst du es
Du hast ein neues Deck gekauft, das die Kelche „Wasser“ nennt, den Pagen ersetzt und zwei zusätzliche Karten enthält. Ein Tarotbuch kann dir weiterhin beibringen, Fragen zu stellen und Kartenpositionen miteinander zu verbinden. Vielleicht beschreibt es aber nicht die Bilder in deiner Hand. Bevor du seine Kapitel auswendig lernst, prüfe die Passung anhand weniger Karten.
Das Victoria and Albert Museum erläutert den Einfluss von Pamela Colman Smiths Bildern auf spätere Decks und zeigt zeitgenössische künstlerische Neuinterpretationen. Einfluss bedeutet keine Bildgleichheit. Die Bibliothèque nationale de France bewahrt unterschiedliche Tarotfamilien. Ein Buch, das für eine davon passt, kann bei einer anderen eine Übersetzung der Begriffe erfordern oder unpassend sein.
Beginne mit dem Kartenverzeichnis
Zähle die Karten und suche ihre Gruppen. Gibt es 22 Plätze für Große Arkana und 56 für Kleine Arkana? Enthalten die vier Farben jeweils zehn Zahlenkarten und vier Hofkarten? Welche Entsprechungen nennt die Künstlerin oder der Künstler? Ein Deck kann die 78 Plätze bewahren und die Namen ändern; ein anderes verändert die Struktur. Im ersten Fall lässt sich ein fremdes Handbuch mit Anpassungen nutzen. Im zweiten ist die eigene Anleitung besonders wichtig.
Erzwinge keine Zuordnung aufgrund oberflächlicher Ähnlichkeit. Erinnert dich eine Karte namens „Wächter“ an einen König, prüfe, welchen Platz ihr das Verzeichnis zuweist. Fehlt im Begleitheft eine Zuordnung, kennzeichne sie als eigene Vermutung und gib sie nicht als Absicht der Gestalter aus.
Vier Kontrollkarten
Gerechtigkeit oder ihr Gegenstück: Prüfe Nummer, Namen und Szene. Steht auf deiner Karte VIII, im Buch aber XI, musst du die Registerzuordnung vor dem Lernen klären.
Der Narr: Achte darauf, ob er die Null trägt, unnummeriert ist oder anders heißt. Sein Platz in der Leseordnung kann sich ändern, auch wenn das Bild einen Teil des klassischen Motivs behält.
Eine niedrige Zahlenkarte wie die Zwei der Schwerter: Zeigt sie eine Szene, nur die Symbole der Farbe oder eine neue Bildlösung? Eine Erklärung über Personen beschreibt keine Zahlenkarte ohne diese Szene.
Eine Hofkarte: Vergleiche Titel, Farbe und Funktion. Manche Decks benennen Könige und Königinnen um oder verzichten auf geschlechtliche Etiketten. Ein Handbuch, das automatisch aus einer Karte das Geschlecht der fragenden Person ableitet, kann dann besonders wenig helfen.
Die vier Karten decken Unterschiede bei Register, Bildern und Aufbau auf. Stimmen alle überein, kann das Buch wahrscheinlich als Hauptanleitung dienen. Stimmen nur die Namen, nutze es eher als ergänzende Quelle.
Methode und Bilddetail trennen
Eine allgemeine Methode kann übertragen werden: die Frage festlegen, Positionen vor dem Ziehen bestimmen, zuerst das Sichtbare beschreiben und die Deutung als Ganzes prüfen. Ein Detail lässt sich nicht automatisch übertragen. „Die Figur schaut auf drei verschüttete Kelche“ ist nur dann eine Beobachtung, wenn diese Szene auf deiner Karte vorkommt.
Notiere zwei Spalten auf einem Blatt: „bleibt erhalten“ und „ändert sich“. Bei einer Beispielkarte könntest du schreiben: „Der Platz der Fünf der Kelche bleibt; Szene und Farbname ändern sich.“ Dann siehst du, welcher Teil des Buches dir hilft und welchen du aus dem Begleitheft des neuen Decks lernen musst.
Ein Lese-Beispiel mit zwei Quellen
Frage: „Was muss ich prüfen, bevor ich noch eine Verantwortung übernehme?“ Position: „verdeckter Aufwand“. Du ziehst die Zehn der Farbe, die dein Deck „Feuer“ nennt. Das Begleitheft setzt Feuer mit Stäben gleich und zeigt zehn verstreute Gegenstände, aber niemanden, der sie trägt. Ein Rider-Waite-Smith-Buch spricht von einem Körper unter einer schweren Last. Die allgemeine Vermutung einer Anhäufung aus Zahl und Position kannst du übernehmen. Du kannst jedoch nicht behaupten, auf deiner Karte ginge jemand gebückt. Vielleicht betont deine moderne Ausgabe die Zerstreuung eher als das Gewicht. Diese Unterscheidung macht die Deutung genauer.
Mach aus dem Beispiel keine berufliche Vorhersage. Die Karte kann dich zu Fragen nach Zeitplan und Ressourcen führen. Die Antworten kommen aus der wirklichen Situation.
Falls die eigene Anleitung zu knapp ist
Suche zunächst nach einer Beschreibung der Autorin, des Autors oder des Verlags. Fehlt eine Zuordnungstabelle, arbeite mit Beobachtungen und eigenen Notizen, ohne ihnen eine historische Tradition zuzuschreiben. Ein allgemeines Handbuch kann dir Aufbau und Legemethode beibringen. Die bildspezifischen Details lässt du offen, bis du die Ausgabe besser kennst.
Ein schönes Deck muss nicht jedem Handbuch folgen. Wichtig ist, keine ungeprüfte Passung zu behaupten. Lies dazu ob alle Decks mit 78 Karten gleich gelesen werden und wie du Marseille und Rider erkennst.
Anpassung ist keine wortwörtliche Übersetzung
Nennt ein modernes Deck eine Farbe „Wasser“ und ordnet der Verlag sie den Kelchen zu, können allgemeine Kelch-Deutungen ein Ausgangspunkt sein. Eine Namensentsprechung bedeutet aber nicht, dass jede Szene gleich funktioniert. Vielleicht hat die Künstlerin die Drei des Wassers um einen Fluss statt um drei Gefäße gestaltet. Das Kelch-Handbuch kann eine Frage beisteuern; die moderne Karte zeigt ein anderes Bild. Halte beide Ebenen in deinen Notizen auseinander.
Noch heikler sind Hofkarten. Die Ersetzung von „Königin“ durch „Fürsorgerin“ könnte Rang, Geschlechtszuschreibung oder Funktion verschieben. Vielleicht ist es auch nur ein neuer Name. Ohne eine Zuordnungstabelle ist keine der beiden Deutungen sicher. Prüfe Verzeichnis, Begleitheft und, falls vorhanden, die Erklärung der Künstlerin. Fehlen Angaben, benutze den tatsächlichen Titel deiner Karte und bezeichne die Verbindung zur traditionellen Hofkarte als vorläufig.
Zwei Fehler, die der Test aufdeckt
Erstens eine falsche strukturelle Übereinstimmung: Das Deck umfasst 78 Karten, verteilt sie aber anders auf seine Gruppen. Wenn du zuerst zählst und die Farben suchst, merkst du das, bevor du Stunden in ein unpassendes Buch steckst. Zweitens eine angenommene Bildgleichheit: Das Deck behält 56 Kleine Arkana und nennt eine Farbe „Stäbe“, zeichnet aber alle Szenen neu. Der Vier-Karten-Test zeigt, dass das Buch für die Grundordnung taugt, nicht für die Beschreibung des Sichtbaren.
Ein drittes Problem betrifft das Datum. Ein Begleitheft kann einen historischen Entwurf nennen, während die neue Ausgabe Farben oder Symbole verändert. Halte beim Vergleich die Ausgabe des Buches und die des Decks fest. „Rider-Waite-Smith“ kann unterschiedliche Nachdrucke, Restaurierungen oder Neuinterpretationen meinen. Eine Aussage über ein winziges Bilddetail verlangt ein identifizierbares Exemplar oder eine nachvollziehbare Reproduktion.
Eine ehrliche Lernentscheidung
Wenn das moderne Deck kaum eine Anleitung bietet, kannst du ein allgemeines Buch für den Ablauf nutzen: Frage, Positionen, Beobachtung und Zusammenfassung. Sobald eine beschriebene Szene von deiner Karte abweicht, halte an. Schreibe auf, welches Bild du tatsächlich vor dir hast, und bilde eine eigene Hypothese, ohne sie dem Buch zuzuschreiben. Dein Tagebuch zeigt mit der Zeit, welche Entsprechungen tragen und welche erzwungen wirken.
Sind die Unterschiede sehr groß, übe vielleicht zuerst mit dem Deck, für das das Handbuch geschrieben wurde, und nimm das moderne für eine zweite Runde. Das ist kein Urteil über den künstlerischen Wert der Produkte. Es erspart dir, beim Lernen der Struktur jede Buchseite zugleich übersetzen zu müssen. Die nützliche Frage lautet: „Kann ich das Beispiel mit meinen Karten nachvollziehen?“ und nicht: „Ist dieses Deck gut oder schlecht?“
Verwendete Quellen
- „A history of tarot cards“, Victoria and Albert Museum. Abgerufen am 26.09.2026.
- Auswahl von Tarotdecks, Bibliothèque nationale de France. Abgerufen am 26.09.2026.