Sabio Tarot · Grundlagen und Lernen
So wählst du dein erstes Tarotdeck
Das beste erste Deck ist nicht zwangsläufig das bekannteste oder das mit der schönsten Schachtel. Du solltest seine Bilder betrachten, die Karten gut handhaben und mit einem Buch lernen können, das genau diese Bilder beschreibt. Kaufst du ein Marseille-Tarot und schlägst ein Handbuch mit Rider-Waite-Smith-Szenen auf, findest du bald Einzelheiten, die auf deinen Karten gar nicht vorkommen. Diese Abweichung zwischen Deck und Buch erschwert das Lernen weit mehr als ein angeblicher „Schwierigkeitsgrad“ des Decks.
Sieh dir vor der Entscheidung mindestens eine große Arkankarte, eine kleine Zahlenkarte und eine Hofkarte an. Du musst ihre Bedeutungen noch nicht kennen. Es genügt zu erkennen, welche Art von Bildern vor dir liegt und ob du sie gern näher untersuchen möchtest.
Erste Frage: Möchtest du mit Szenen oder mit Strukturen lernen?
In vielen Decks der Rider-Waite-Smith-Familie zeigen die kleinen Zahlenkarten Szenen mit Menschen, Orten und Gesten. Als Lernender kannst du zunächst beschreiben, wer wen ansieht, welcher Gegenstand im Mittelpunkt steht und wie das Bild aufgebaut ist. Solche Beobachtungen helfen beim Erinnern. Sie können aber auch zu vorschnellen Schlüssen verführen, wenn du Frage und Kartenposition ausblendest.
In einem traditionellen Marseille-Tarot zeigen die Zahlenkarten vor allem grafisch angeordnete Kelche, Schwerter, Stäbe oder Münzen. Auf der Zwei der Schwerter findest du dort nicht die erzählerische Rider-Szene. Du beobachtest Farbe, Zahl, Anordnung und Nachbarkarten. Diese Methode verlangt eine andere Aufmerksamkeit: Statt zu fragen, was eine Figur auf dem Bild tut, fragst du, welche Beziehung die Karte innerhalb der Legung herstellt.
Keine der beiden Möglichkeiten ist für alle Menschen leichter. Manche behalten Szenen besser, andere mögen die klare Ordnung wiederkehrender Symbole. Falls du beide Decks in einem Laden oder anhand offizieller Bilder des Verlags vergleichen kannst, wähle aus jedem eine Zahlenkarte derselben Farbe und Zahl. Benenne laut drei Unterschiede, die du tatsächlich siehst. Das sagt mehr aus als die Aufschrift „für Anfänger“.
Zweite Frage: Ist das Deck vollständig und gut lesbar?
Der übliche Aufbau umfasst 78 Karten: 22 Große und 56 Kleine Arkana. Das Metropolitan Museum of Art beschreibt die vier italienischen Farben und die Trümpfe der historischen Tradition; das Victoria and Albert Museum zeigt Ausgaben verschiedener Zeiten. Manche moderne Decks ändern Namen, Bilder oder Kartenanzahl. Diese künstlerische Freiheit kann wertvoll sein. Für den Einstieg solltest du jedoch wissen, was im Vergleich zum gewählten Handbuch anders ist.
Prüfe vor dem Kauf die Kartenliste. Ein Set mit nur 22 Großen Arkana kann zum Üben dieser Gruppe dienen, aber nicht für Aufgaben mit Farben und Hofkarten. Enthält es zusätzliche Karten, suche nach einer Erklärung für deren Einsatz. Das Wort „Tarot“ auf der Schachtel belegt nicht, dass der Inhalt genau dem System deines Buchs folgt.
Auch die Lesbarkeit zählt. Betrachte die Größe der Kartennamen, die Unterscheidbarkeit ähnlicher Zahlen und die Klarheit des Bilds aus der Entfernung, aus der du später die Karten auf dem Tisch ansiehst. Eine am Bildschirm vergrößerte Illustration kann auf einer kleinen Karte unübersichtlich sein. Prüfe, ob Farben und Details in der konkreten gedruckten Ausgabe erkennbar bleiben.
Dritte Frage: Welche Nummern tragen Gerechtigkeit und Kraft?
Vergleiche die Karten VIII und XI. In vielen Marseille-Decks ist Gerechtigkeit VIII und Kraft XI. Im Rider-Waite-Smith-Tarot ist es umgekehrt: Kraft VIII und Gerechtigkeit XI. Dieser Hinweis allein bestimmt nicht jedes Deck, deckt aber eine häufige Abweichung zwischen Karten und Handbuch auf.
Notiere Ausgabe und Nummerierung. Ordnet dein Buch seine Kapitel nach Zahlen, suchst du die Karte dann nicht an der falschen Stelle. Achte auch auf Arkanum XIII, das in manchen Marseille-Ausgaben ohne Namen erscheint, und auf die Benennungen der Hofkarten. Diese Unterschiede beweisen keine absolute „Echtheit“. Es sind editorische Konventionen, die du für klares Lernen kennen solltest.
Vierte Frage: Gibt es ein Buch über genau dieses Deck?
Ein hilfreiches Handbuch sollte dich nicht zwingen, Figuren oder Gegenstände zu erfinden, die auf deiner Karte fehlen. Lies seine Beschreibung einer kleinen Karte und vergleiche sie mit dem Bild. Besteht das Buch auf einer abwesenden Szene, behandelt es vielleicht ein anderes System. Erklärt es bei Marseille Farbe, Zahl und Anordnung oder bei Rider-Waite-Smith Gesten und Szenen, kannst du seine Übungen leichter anwenden.
Wähle das Buch außerdem nach deinem Lernproblem. Ein Einsteigerbuch erklärt den Aufbau und die einzelnen Karten. Ein Buch über Kombinationen hilft eher, wenn du Karten schon erkennst, aber ihre Beziehung zueinander schwer in Worte fassen kannst. Kaufst du das zweite zu früh, werden Kartenpaare womöglich zu einer weiteren Liste, die du ohne Zusammenhang auswendig lernst.
Sabio Tarot bietet eigene Buchseiten für Marseille-Tarot für Einsteiger und Rider-Waite-Tarot für Einsteiger. Prüfe vor der Wahl, welches Werk zu deinen Karten passt. Die Buchseiten zeigen nur tatsächlich erschienene Ausgaben und Formate, damit du eine künftige Übersetzung nicht mit einer verfügbaren verwechselst.
Eine kleine Prüfung vor deiner Entscheidung
Wenn du die Karten einer tatsächlichen Ausgabe sehen kannst, nimm dir fünf Minuten. Wähle eine große Karte, eine Zahlenkarte und eine Hofkarte. Schreibe auf, was auf jeder Karte zu sehen ist, ohne Bedeutungen nachzuschlagen. Beantworte danach:
- Kann ich Namen, Zahlen und Details ohne Vergrößerung erkennen?
- Zeigen die Zahlenkarten Szenen oder Symbole ihrer Farbe?
- Möchte ich diese Bilder über Wochen hinweg anschauen, auch wenn ich eine Karte zunächst nicht verstehe?
- Deutet mein geplantes Handbuch die Bilder, die auf genau dieser Ausgabe vorkommen?
- Weiß ich, was sich gegenüber dem klassischen Deck ändert, auf das sich das Handbuch bezieht?
Falls du die vierte Frage verneinst, musst du das Deck nicht verwerfen. Du kannst nach einem passenden Buch suchen oder ein Deck wählen, das näher an deinem Einsteigerbuch liegt. Ist dagegen die Lesbarkeit schlecht, sieh dir besser eine andere Ausgabe an, bevor du Zeit in ein schwer nutzbares Werkzeug investierst.
Beispiel: zwei Personen, zwei vernünftige Entscheidungen
Ana möchte über die Beschreibung von Bildern lernen. Beim Vergleich der Sechs der Kelche und des Pagen der Stäbe aus zwei Deckfamilien bleiben ihr die Rider-Waite-Smith-Szenen leicht im Gedächtnis. Sie entscheidet sich für eine gut lesbare Ausgabe dieser Bildfamilie und ein Handbuch, das ihre Bilder erklärt. Ihre erste Übung besteht nicht darin, die Zukunft zu erraten. Sie beobachtet, was sich verändert, wenn eine Karte als Ressource statt als Hindernis erscheint.
Luis vergleicht gern Zahlen und Formen. Am Marseille-Tarot reizt ihn, dass die Sechs der Kelche keine abgeschlossene Szene vorgibt: Er kann die Kelchanordnung und ihre Beziehung zu den Nachbarkarten betrachten. Er wählt eine konkrete Marseille-Ausgabe und eine Anleitung, die ihn auf den Zahlenkarten keine dort fehlenden Menschen suchen lässt. Beide Entscheidungen sind sinnvoll, weil die Lernmethode zum jeweiligen Deck passt.
Ana und Luis sind erfundene Beispiele. Sie belegen nicht, dass ein bestimmter Persönlichkeitstyp ein bestimmtes Deck braucht. Sie zeigen, wie du von der Lernaufgabe statt von einem Verkaufsversprechen aus entscheiden kannst.
Was du beim ersten Kauf vermeiden solltest
Vertrau keinem Vergleich, der nur die Schachtel oder den Narren zeigt. Wichtige Unterschiede stecken auch in den Kleinen Arkana. „Älter“ bedeutet nicht automatisch „wahrer“, und moderne Bilder stehen dem Tarotlernen nicht grundsätzlich im Weg. Prüfe die tatsächlichen Karten, ihren Aufbau und das Material. Verändert eine Ausgabe wichtige Symbole, lies zuerst, wie ihre Schöpferin oder ihr Schöpfer das erklärt, bevor du ein Buch aus einer anderen Tradition anwendest.
Falls du dein Deck noch nicht bestimmen kannst, hilft dir der Ratgeber zu Marseille und Rider-Waite-Smith. Die erste gute Entscheidung ist überschaubar: Wähle ein Deck, das du aufmerksam betrachten kannst, und ein Buch, das die sichtbaren Bilder beschreibt. Den Rest lernst du mit klaren Fragen und kleinen Legungen.
Vergleiche vor dem Kauf außerdem, wie du Marseille oder Rider-Waite-Smith erkennst, und was du bei einem Buch zu einem modernen Deck prüfen solltest.
Quellen
- Metropolitan Museum of Art, „Before Fortune-Telling“, abgerufen am 26-09-2026.
- Victoria and Albert Museum, „A history of tarot cards“, abgerufen am 26-09-2026.